Mittwoch, 8. November 2017

7. November 100. Jahrestag der Großen Sozialistische Oktoberrevolution in Russland 1917 – 2017 (10)

Dr. Hans-Peter Brenner: Die Lehren der Oktoberrevolution
Welche „Richtlinien“ und welche „Leitfäden“ sollten wir aus dem 100. Jahrestag der Oktoberrevolution gemeinsam herausarbeiten?

Ich sehe sieben Konsequenzen und Lehren.

2. Es ging nicht nur um die „1o Tage, die die Welt erschüttern“, wie der amerikanische Journalist und spätere Mitbegründer der Kommunistischen Partei der USA, John Reed, in seinem spannenden Augenzeugenbericht damals schrieb.
Selbst einige, die an verantwortlicher Stelle der antikommunistischen Konterrevolution der 90ger Jahre gestanden haben und die heute das „postsowjetische“ Russland im Dienste der neuen russischen Kapitalistenklasse und “ Oligarchen“ verwalten, können nicht die Ausstrahlungskraft des Roten Oktobers verleugnen.
Das machte auch W. Putin, der politische Hauptvertreter des neuen staatskapitalistischen Russlands und seiner großkapitalistischen Oligarchenklasse, auf einem internationalen Meeting von russischen und ausländischen Journalisten, Politikern und Wissenschaftlern vor wenigen Tagen deutlich.
Er sagte: „In diesem Jahr wenden wir uns den Lehren vor einem Jahrhundert zu, nämlich der russischen Revolution von 1917. Dann sehen wir, wie zweideutig ihre Ergebnisse waren, wie eng die negativen und, das müssen wir anerkennen, die positiven Folgen dieser Ereignisse miteinander verflochten sind.“ (Unterstreichung durch mich –HPB)
Der Ex-Kommunist und ehemalige KGB-Offizier, der öffentlich schon mal bekundet, dass er im Gegensatz zu vielen anderen sein Parteibuch noch nicht auf den Müll geworfen hat, propagiert einerseits das großrussische Zarentum als Vorbild. Er will den Einfluss der russisch-orthodoxen Kirche und die Erfolge des russischen und auch des sowjetischen Militärs als ideologischen Kitt des neuen kapitalistischen Russlands nutzen . Deshalb verurteilt er die Oktoberrevolution als Beginn einer staatlichen Zerrüttung des einheitlichen Großrusslands.
Dabei hat doch grade der Sieg der Oktoberrevolution die Einheit des russischen Staates vor der Zerschlagung und Zerstückelung durch die imperialistischen Konkurrenten bewahrt.
Wir sehen doch, wie sehr bis heute der Imperialismus Russland in kleine Stücke zerschlagen und für die großen westlichen Konzerne gefügig machen will.
Die Kommunisten unter Lenin verteidigten das Land gegen die Intervention von 11 ausländischen Staaten. Sie schmiedeten mit der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken, der UdSSR, den größten Vielvölkerstaat der Geschichte.
Sie schufen das lebende Beispiel für die größte multinationale staatliche Einheit der Erde auf neuer , freiwilliger und sozialistischer Grundlage.
Die Oktoberrevolution und die Sowjetunion bleiben ein Modell für das friedliche und gleichberechtigte Zusammenleben unterschiedlicher Völker und Kulturen.
Das ist die zweite „Richtlinie“ und Lehre, die ich aus dem Roten Oktober ziehe: Proletarischer Internationalismus , proletarische Klassenpolitik und wohlverstandene nationale Interessen bilden keinen gegen Gegensatz. Für uns gilt: Deutsche und ausländische Kolleginnen und Kollegen gehören deshalb zusammen. Der Spaltung in Einheimische und Ausländer müssen wir eine Politik für die gemeinsamen Klasseninteressen entgegenstellen.

3. Putin ist aufgeklärt und clever genug, um gleichzeitig die weltpolitische Bedeutung der Oktoberevolution nüchterner zu betrachten.
Er sagte in seiner Rede weiter: „Doch das weitgehend utopische Sozialmodell und die Ideologie, die der neugebildete Staat zunächst nach der Revolution von 1917 zu implementieren versuchte war ein mächtiger Motor der Transformation auf der ganzen Welt (das ist ganz klar und muss auch anerkannt werden).“
Hier widerspreche ich zunächst seiner Ausgangsthese:
Die Oktoberrevolution vertrat kein „utopisches Sozialmodell“. Sie basierte auf den sehr konkreten Grundforderungen der russischen Werktätigen, des einfachen russischen Volkes. Und die hießen „Frieden, Brot, Land“. Diese Tageslosungen verbanden die russischen Kommunisten mit den weitergehenden Forderungen nach Sturz des alten feudalistischen Systems des Zarentums und der reichen Großgrundbesitzer und Kapitalisten.
Die beiden ersten großen Entscheidungen nach der Proklamierung der Sowjetmacht waren deshalb das „Dekret über den Frieden“ und das „Dekret über den Grund und Boden.“
Die Verkündigung des sofortigen Friedens und die Beendigung des 1. Weltkrieges, die Enteignung des Großgrundbesitzes und die Verteilung des Landes an die Bauern, die Übernahme der Kontrolle über die Produktion und die schrittweise Enteignung der großen kapitalistischen Betriebe, das war keine „Sozialutopie“, wie Putin meint.
Der Sturz der im März 1917 an die Macht gekommenen provisorischen bürgerlichen Regierung und ihrer pseudolinken Bündnispartner entsprach den unmittelbaren Lebensinteressen der Volksmassen und den konkreten Existenzbedingungen des russischen Volkes.

Zu den internationalen Folgen der Oktoberrevolution erklärte Putin:
„Viele westliche Errungenschaften des 20. Jahrhunderts waren eine Antwort auf die Herausforderung der Sowjetunion. Ich spreche von der Anhebung des Lebensstandards, der Bildung einer starken Mittelschicht, der Reform des Arbeitsmarktes und des sozialen Bereichs, der Förderung der Bildung, der Gewährleistung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Minderheiten und Frauen der Überwindung der Rassentrennung, die, wie Sie sich erinnern werden, vor wenigen Jahrzehnten in vielen Ländern, einschließlich der Vereinigten Staaten, eine beschämende Praxis war.“
Putin hat Recht. Er vergaß aber das Wichtigste. 70 Jahre Sowjetunion haben bewiesen, dass die Arbeiterklasse ohne die Kapitalistenklasse für alle ein sichereres, ein friedlicheres , ein kulturvolleres Leben schaffen kann.
Ein Leben ohne die Angst vor dem Morgen.
Ein Leben ohne Angst vor der Armut im Alter.
Ein Leben ohne Sorge, was aus der Zukunft der Kinder und Enkel wird.
Wenn jetzt der SPD-Vize Olaf Scholz von der „Würde der Arbeit“ spricht und damit nur die Anhebung des Mindestlohnes meint, dann ist das eine Politik für mehr caritative Leistungen.
Wir brauchen aber nicht mehr Caritas!
Wir brauchen einen Bruch mit dem Profitsystem!

Und Putin hat zwei weiter Punkte nicht genannt:
Zum einen hat er folgendes verschwiegen:
Es waren die die erprobten Führer und Aktivisten der Oktoberrevolution, , darunter Stalin, Molotow, Kalinin, Woroschilow, unter deren Verantwortung die größte Bedrohung für die Freiheit der Völker zerschlagen wurde: der deutsche Faschismus. In der vielleicht dunkelsten Stunde seiner 11 jährigen Kerkerhaft, als ihm sein Gefängniswärter triumphierend die Nachricht von der unmittelbar bevorstehenden Eroberung Moskaus überbrachte, hatte Ernst Thälmann darauf nur folgenden Satz gesagt.
„Stalin brich Hitler das Genick!“
Er behielt Recht.
Der Kampf der Söhne und Töchter der Oktoberrevolution gegen die stärkste Militärmaschinerie der Welt war erfolgreich, weil es die eiserne und stählerne Geschlossenheit von Partei und Volk gab.
Weil es die damalige Generation der Kommunistinnen und Kommunisten verstanden hatte, Theorie und Praxis des Sozialismus zu einer überzeugenden Einheit zu verbinden.
Auch heute muss der Antifaschismus ein Markenzeichen für ins Kommunist(inn)en sein. Deshalb: Keine Stimme den Reaktionären der AfD ! Sofortiges Verbot der NPD und aller anderen faschistischen und neofaschistischen Organisationen!
Zum anderen hat Putin verschwiegen, dass zu den wichtigen internationalen Folgen der Oktoberrevolution die Entstehung der Kommunistischen Internationale gehörte.
Vom Roten Oktober ging der Impuls für die Gründung Kommunistischer Parteien in fast allen Ländern der Erde aus. Es entstanden auch unsere drei Parteien. Die KPD in Deutschland die Griechische und auch die Türkische KP.
Vielleicht ist das sog auf Dauer das allerwichtigste langfristige Ergebnis der Oktoberrevolution.
Karl Liebknecht, Mitbegründer der KPD erklärte: „Die Revolution (in Russland) ist für die Werktätigen und Unterdrückten aller Völker zum Appell und Kampfruf geworden. Die russische Sowjetrepublik wurde zum Banner der kämpfenden Internationale. Sie rüttelt die Zurückgebliebenen auf, erfüllt die Schwankenden mit Mut und verzehnfacht die Kraft und Entschlossenheit aller.“
Und Rosa Luxemburg, nicht immer mit Lenin in Übereinstimmung, erklärte auf dem Gründungskongress der KPD schließlich die Oktoberrevolution zum Lehrstück für die deutsche Arbeiterbewegung. Es sei ihre Pflicht von den Russen und von der Sowjetmacht „ zu lernen.“

Für das Wiedererstarken der Kommunistischen Bewegung müssen wir unsere Kräfte zusammenführen. Dem dient auch die internationale Konferenz, die in dieser Woche im heutigen Petersburg stattfindet und an der auch unser Vorsitzender Genosse Patrik Köbele teilnimmt, der diese heutige Veranstaltung solidarisch grüßen lässt.

Dritte Lehre aus dem heutigen Gedenktag ist für mich deshalb: Die sozialistische Revolution ist nicht die Verwirklichung einer abstrakten Idee sondern notwendig für die Sicherung der wichtigsten Lebensinteressen der Werktätigen und der Arbeiterklasse. Heute kommt die Gefahr der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen auf unserem Planeten hinzu: Für das Überleben von Mensch und Natur ist die Überwindung und der Bruch mit dem Kapitalismus eine absolute Notwendigkeit.

Auszüge einer Rede von Dr. Hans-Peter Brenner, stellv. Vorsitzender der DKP, auf einer Veranstaltung von KKE, TKP und DKP zur Oktoberrevolution am 4. November 2017 in Stuttgart 
http://ddr-kabinett-bochum.blogspot.be/2017/11/dr-hans-peter-brenner-die-lehren-der.html 

Nadja sagt: So gut schreibt heute die DKP? Ich komme aus dem Staunen nicht heraus! Das Ganze lesen Sie bitte beim DDR-Kabinett-Bochum, aber die kommunistische Bewertung von V. PUTIN muß ich übernehmen.

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